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Jahr 2000 waren es genau 100 Jahre vergangen,seitdem durch eine Ausgrabung
die "Ole Borch" am Haddebyer Noor als das "Haithabu"
der Wikingerzeit identfiziert werden konnte. In diesen 100 Jahren ist Haithabu
mit seinem markanten Halbkreiswall zu einem weithin bekannten Anziehungspunkt
geworden, wöfür in besonderem Maße die in manchen Abschnitten
spektakuläre Erforschung dieses wikingerzeitlichen Handelsplatzes gesorgt
hatte. |
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Sie auf das Bild, um einen kleinen Film über die Arbeit mit dem Team um Dr. Kramer zu sehen. |
| Es
war der von vielen unvergessene Schleswiger Rechtsanwalt Otto von Wahl,
der den Anstoß zur Wiederaufnahme der Haithabu- Forschungen nach dem
2. Weltkrieg gegeben hatte: Der baltische Vertriebene hatte beim Schwimmen
und Tauchen im Haddebyer Noor Holz- und Pfahlwerk vom ehemaligen Hafen der
Wikingerstadt gefunden. Die Funde hatten daraufhin im Jahre 1953 zu einer
großangelegten archäologischen Untersuchung des Hafengebietes
geführt. Der vor drei Jahren verstorbene und in Archäologenkreisen
immer noch gerühmte und geschätzte Schleswiger Archäologe
Hans Hingst ist damals als erster deutscher Archäologe unter Wasser
tätig gewesen. Die Ergebnisse jener Untersuchungen waren hervorragend:
Es war nicht nur eine 160 Meter lange Palisadenreihe gefunden worden, sondern
auch ein Schiffswrack der Wikingerzeit.
In
den Sechzigerjahren wurden zunächst die Siedlungsgrabungen in Haithabu
und in der sogenannten Südsiedlung fortgesetzt. Der nunmehrige Leiter
der Haithabuforschung, Kurt Schietzel, arbeitete aber gleichzeitig auf
eine erneute Untersuchung im Hafengebiet zu. Er suchte hierfür eine
Forschungspartnerschaft mit dem dänischen Nationalmuseum, und fand
in Ole Crumlin-Pedersen einen geeigneten Archäologen für eine
geplante Bergung des 1953 gefundenen Wikingerschiffes. Nachdem auf Schloß
Gottorf die notwendigen Restaurierungswerkstätten geschaffen waren,
konnten die Bergungs- und Ausgrabungsarbeiten in den Jahren 1979 und 1980
unternommen werden. Die benötigten, enormen Geldmittel für die
Erstellung einer abgespundeten offenen Baugrube, des sogenannten Bergebauwerks,
konnten durch den besonderen Einsatz des damaligen Ministerpräsidenten
von Schleswig-Holstein, Dr. Gerhard Stoltenberg, aufgebracht werden. Das sicherlich wichtigste Ergebnis der Bergebauwerk-Ausgrabungen von 1979/80 war die Entdeckung von Landebrücken. Bis dahin hatte man angenommen, daß es solche Einrichtungen in der Wikingerzeit nocht nicht gegeben habe. Es war nun aber deutlich geworden, daß die wikingerzeitliche Handelsstadt Haithabu einen Hafen gehabt hatte, der mit einer gewissen Befestigungsanlage versehen war, und der mit seinen hölzernen Landbrücken, die bis 40 Meter weit in das Noor hineinreichten, dem Seehandel außerordentlich günstige Vorraussetzungen geboten hatte. Das ausgegrabene Areal stelte allerdings nur einen kleineren Teil der ehemaligen Hafenfläche dar, und so stand eine Untersuchung des gesamten ehemaligen Hafengebietes noch aus. Eine solche großflächige Untersuchung würde man natürlich nicht mit einer konventionellen Ausgrabung durchführen können. Deshalb hatte Kurt Schietzel bereits 1978 bis 1981 gemeinsam mit Geophyikern der Universität Kiel versucht, die in den weichen Sedimenten des Noores verborgenen Überreste des Hafens mit den Methoden der Sonar (=Echolot) -Technik zu erforschen. Dieses Unternehmen hatte einige Erfolge gebracht, darunter die Entdeckung der berühmten Haithabu-Glocke; das angestrebte Gesamtziel aber konnte wegen der damals auf diesem Gebiet noch unzureichenden technischen Entwicklung nicht erreicht werden.
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Das Forschungsschiff SÜDFALL im Einsatz vor Haddeby auf der Schlei |
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Die
Entdeckung eines ausgedehnten Seesperrwerkes der frühen Wikingerzeit
(um 740 n. Chr.) in der Schlei bei Stexwig im Jahre 1992 sollte gut
ein Jahrzehnt später Archäologie und Sonartechnik erneut
zusammenführen. Das Seesperrwerk mit seinen spektakulären Dimensionen
(1.300 Meter Länge) war nur mit dieser technischen Methode zu erforschen.
Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
konnten im Jahre 1993 die archäologischen und sonartechnischen Forschungsarbeiten
an jenem Unterwasserdenkmal beginnen. Von Anfang an sollte dabei die Technik
nicht einfach nur angewandt, sondern in der Praxis weiterentwickelt werden.
Das Gebiet des Seesperrwerkes wurde so zu einer Art Großlabor für
diese außerordentlich schwierige Elektronik-Technologie. Der für
die Sonartechnik verantwortliche Forschungspartner, Gert Wendt, Universität
Rostock, konnte bis zum Jahre 1997 einen Entwicklungsstand erreichen,
den Fachleute für "technisch nicht machbar" gehalten hatten:
Noch im Jahre 1994 benötigten wir für das Einsetzen des Schallgebers
ins Wasser einen stabilen Kran, da dieses Gerät nicht weniger als
480 Kg wog und wie ein kleiner Hubschrauber aussah. Seit dem Jahre 1995
wiegt der mit ähnlichen Eigenschaften versehene Schallgeber noch
6 Kg. Dies war möglich, weil die zur Eindringung in das Sediment
benötigten niederfrequenten Schallsignale (unter 30 kHz) nunmehr
durch einen akustischen Trick erzeugt wurden: Die Signale entstehen aus
zwei ausgesandten hochfrequenten Signalen, die sich überlagern und
nur ihre Differenzfrequenz wirksam werden lassen. So werden zum Beispiel
aus den ausgesandten Frequenzen 200 und 210 kHz schließlich 10 kHz,
die aber ähnliche physikalische Eigenschaften wie höhere Frequenzen
haben. Der akustische Trick hatte dazu geführt, daß man niedrige
Frequenzen erzeugen konnte, die alle guten Eigenschaften der höheren
Frequenzen hatten.
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Sonoaraufnahme und Computergrafik des Seesperrwerks |
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Hierfür
benötigten wir ein Erprobungsfeld, das vielfältigere Anforderungen
an die Gerätetechnik bieten würde als dies beim Großen
Seesperrwerk der Fall ist. Ein solches Feld bot sich mit dem ehemaligen
Hafengebiet von Haithabu in idealer Weise an. Es gelang glücklicherweise
erneut, die benötigte Förderung durch das Bundesministerium
für Bildung und Forschung zu erhalten. Das Forschungsunternehmen
hatte im vergangenen Jahr seinen offiziellen Start, und die ersten praktischen
Arbeiten im Haddebyer Noor sind in diesem Frühjahr begonnen worden.
Das Forschungsprogramm sieht neben der Geräteentwicklung vor, mit
sonaren Methoden die Strukturen des ehemaligen Hafens großflächig
zu untersuchen. Es sollen also weitere Landebrücken, Hafenmolen und
-befestigungen untersucht und kartiert werden, und es sollen auch weitere
Schiffswracks zu den drei bisher bekannten Wracks der Wikingerzeit gesucht
werden. Eines dieser Wracks soll dann nach einer genauen sonaren Untersuchung
auch ausgegraben und geborgen werden. Dr. Willi Kramer |