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Auszug
aus dem Buch "Arnis, kleine Stadt mit großer Vergangenheit"
von Walter Luth
Die Gründung des ,,Fleckens" Arnis
Zur
Zeit seiner Gründung war Arnis eine unbewohnte, bewaldete Insel, auf
der sich nur eine Fischerbütte befand, Kappeln ein Flecken, der etwa
700 bis 800 Einwohner zählte.
Mit
dem Patronat über die Kirche hatte Asmus von Rumohr, damaliger
Gutsherr von Roest, seinerzeit auch die Gerichtsbarkeit und Herrschaft
über Kappeln an sich gerissen. Es wurde, wie es in der Chronik heißt.
den Kappelnern schwer. die goldene Freiheit, die sie unter dem Domkapitel
genossen hatten. mit der Sklaverei eines Edelmannes einzutauschen, der
nur gewohnt war, Fröhnern und Leibeigenen zu gebieten. Sie wurden
im wahren Sinne des Wortes geknechtet und vermochten sich nicht vor der
Gewalt und Despotie ihres Herren zu schützen.
War
auch sein Nachfolger. Kay von Rumohr, menschenfreundlicher und
humaner, so trat ihnen in Hinrich von Rumohr, unter dem die beiden
Hexenprozesse 1632 und 1641 liefen, wieder ein rücksichtsloser. grausamer
Despot entgegen. Es begann dann die Reihe der Besitzer von Roest, die
während des 17. Jahrhunderts viele Beispiele einer grausamen Härte
und Willkür gegen die Einwohner von Kappeln zeigten. Hinrich von
Rumohr, 1630 im Besitz von Roest, verlangte von ihnen, ihm als Gutsherrn
den Homagialeid (Untertaneneid) zu schwören. Als sie sich weigerten,
wurden sie ins Gefängnis geworfen und in Eisen gelegt. Eine daraufhin
von den Kappelnern eingebrachte Beschwerde bei der Landesregierung brachte
ihm einen Prozeß ein, in dem es zum Vergleich kam. Die Regierung
entschied, daß keine Neuerungen eingeführt werden dürften
und alles so bleiben solle wie es von altersher gewesen war. 20 Jahre
später versuchte er in Form eines schriftlichen Reverses, den Kappelner
Bürgern den Untertaneneid aufzuzwingen. Dieser Revers, 1651 verfaßt,
wurde jedoch von den Einwohnern hartnäckig abgelehnt und nie unterschrieben.
1666
übernahm Detlef von Rumohr die Verwaltung seiner väterlichen
Güter Roest, Toestrup und Hohenlieth und befahl den Kappelnern Anfang
Februar des Jahres aufs neue, ihm den nachsehenden Homagialeid zu leisten:
,,Ihr sollt
schwören bey Gott, dass Ihr mir - Detlef von Rumohr, Eurer vorgesetzten
Obrigkeit und Erbherrn zu Roest, wollen treue, holt und gehorsam seyn,
meinen Schaden zu verhüten bey Nacht Lind bey Tage, mein bestens
zu suchen zu Wasser und zu Lande undt mein Gebothen und Verbothen zu halten
undt in allen Dingen als getreue Unterthanen gehormsamb seyn, so wahr
uns Gott helfe undt seyn heiliges Evangelium!"
Er
wollte sie damit wieder seinen Leibeigenen gleichstellen, was bei den
Kappelner Bürgern nach wie vor auf harten Widerstand stieß.
Sie dachten nicht daran, diesen Eid zu schwören, und wieder kam es
am 29. November 1666 daraufhin gegen den haßerfüllten Despoten
- dem noch ein ,,Mandatum poenale" auferlegt war - vor dem Landgericht
in Flensburg zu einem Prozeß. Aber das Urteil gab keineswegs Frieden
unter den sich streitenden Parteien, so daß sich die Bürger
Kappelns entschlossen, sich einen anderen Wohnort zu wählen, um endlich
vor der Willkür dieses Herrn ihre Ruhe zu haben. Anfangs hatten fast
alle Kappelner die Absicht. sich eine neue Heimat zu suchen, doch traten
dann einige - nachher viele - von dem Entschluß zurück. Aber
dessen ungeachtet entschlossen sich endgültig 64 Familien (mit Frauen
und Kindern etwa 300 Personen), den väterlichen Herd, an dem sie
vergebens Ruhe und Frieden gesucht hatten, zu verlassen, um sich eine
neue Heimat zu gründen, wo sie, den übrigen freien
Einwohnern des Vaterlandes gleich, nicht der Willkür anderer ausgesetzt,
in Freiheit leben könnten. Ihre Wahl fiel auf die ihnen nahe gelegene
wüste Insel Arnis, die noch unbewohnt und ,.quad usum fructum",
wie es hieß. dem Domkapitel in Schleswig gehörte, sonst aber
unter der Landeshoheit des Herzogs von Schleswig-Holstein stand. So wandten
sich die zum Fortzug entschlossenen Kappelner mit einer Bittschrift an
den Präsidenten der fürstlichen Kanzlei zu Gottort, in der es
heißt:
,,Sie nähmen
nun zu seiner Excellenz ihre Zuflucht und bäten Sie, den gnädigsten
Fürsten, sie bestermaßen zu recommendiren, daß derselbe
ihnen die zur Schiffahrt bequeme Insel Arnis mit gewissen Privilegien
und Freiheiten möchte einräumen. daß sie daselbst ihre
Häuser wiederum möchten hinsetzen und jährlich ein gewisses
an recognition geben!"
Der
menschenfreundliche Herzog Christian Albrecht war sofort geneigt,
ihnen die Ansiedlung auf der Insel zu gewähren. Sie fanden hier für
ihre Schiffe ein doppeltes Ufer, und als Fischer befanden sie sich mitten
in der Schlei - außerdem waren sie hier um ein bedeutendes näher
ihren] alten Wohnort als in Pageroe was sie vorher ebenfalls als neue
Heimat in Erwägung gezogen hatten. Der Gutsherr von Roest wurde dann
von ihrem Vorhaben sofort in Kenntnis gesetzt, zumal sie verpflichtet
waren, ihm beim Fortzug einen Reichsthaler als sogenanntes Abzugsgeld
zu entrichten. Am 25. Dezember 1666 überwiesen 104 Kappelner Bürger
ihr Abzugsgeld und erklärten in einem Schreiben, daß sie ,,kein
Belieben trügen, weiter unter seiner Jurisdiktion zu wohnen!""
- Von Rumohr reagierte sauer, verlangte, daß sie umgehend ihre Häuser
verkaufen und Kappeln zu verlassen hätten; ferner bestand er auf
seiner Jurisdiktion, Gerechtigkeit und Gericht über die Abziehenden.
Da das, was der Gutsherr von ihnen verlangte, eine neue Intrige war, sandten
die Auswanderer erneut eine Klageschrift an die herzogliche Regierung
und baten um Schutz. Daraufhin erfolgte eine herzogliche Resolution in
favorem emigrantium. ,,Daß die Abzugszeit usque ad majum provogirt
werden solle!"
Nun
hatten sie eine längere Frist zum Umziehen. Sie mußten sich
beim fürstlichen Reitvogt des Schleswigschen Donikapitels als künftige
Einwohner von Arnis eintragen. Dieses geschah von 100 Einwohnern, von
denen ein Teil wieder zurücktrat. Die anderen schlossen sich zu einer
Habe- und Gütergemeinschaft zusammen, um einen eventuell gegen sie
angestrengten neuen Prozeß mit Roest bestehen zu können. Detlef
von Rumohr zürnte seinen Abtrünnigen immer noch, und als die
Auswanderer in Kappeln ihre Häuser einfach abbrachen, kam es zu neuen
Streitigkeiten.
Am
11. Mai 1666 morgens um 8.00 Uhr war dann der feierliche Tag, wo 64 ausgewanderte
Kappelner Familien mit gebogenem Knie und aufgereckten Fingern unter blauem
Himmel dem Reitvogt Wilthagen Lind Herzog Christian Albrecht den Huldigungseid
leisteten.
Mit
diesem Eid hatten sie sich von ihren früheren Bindungen losgesagt
und dem Herzog Christian Albrecht die Treue geschworen. Sie baten Gott,
daß er ihnen Kraft, Mut und Standhaftigkeit verleihen möge.
um weiteren Intrigen zu trotzen und das Angefangene freudig fortführen
zu können.
Mit
Privilegien ausgestattet. konnte der Neuanfang gewagt werden, Arnis wurde
geboren, und die Besiedlung der Insel begann.
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