Des Kanzlers Leidenschaft

 

Schleswig: Ausstellung „Acht Positionen der Moderne“ im Kreuzstall eröffnet.
Sich in unschönen politischen und wirtschaftlichen Phasen Zeit nehmen für die schönen Dinge des Lebens - so könnte das Motto von Bundeskanzler Gerhard Schröder während seines Kurzbesuches auf Schloss Gottorf gelautet haben.

Sein Besuch zur Ausstellungseröffnung „Acht Positionen der Moderne“ auf Schloss Gottorf galt ausschließlich der Kunst gewidmet. Schon auf dem Weg zur Reithalle wurde er vom Hausherrn Professor Dr. Herwig Guratzsch herzlich empfangen. Für die beiden Männer war es ein Wiedersehen. Von 1978 bis 1993 leitete Herwig Guratzsch das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover.
Dort lernte er den damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Gerhard Schröder kennen. Guratzsch freute sich sehr auf den Besuch des Bundeskanzlers, weil es weder um Kunstförderung noch um Politik ging. Es war ganz allein die Kunst, die Schröder bewegt hat, nach Schleswig zu kommen.
(Bild oben: Anselm Kiefer Merkaba, 2000; Mischtechnik mit Collage (Blei) auf Fotografie)


Auch wenn auf der Allee zum Schloss einige Naturschützer und Bürger für den Erhalt des Marinestützpunktes Olpenitz ihre Sorgen mit Transparenten vortrugen, hatte der Kanzler nur Zeit für die Kunst. „Sag mal, was soll ich nun wieder für den Vogelschutz auf einer Insel tun, ich armer Hund kann doch nicht für alles verantwortlich sein!“, so die herzliche Begrüßung vor der Reithalle mit Ministerpräsidentin Heide Simonis. In der Sache gab sie ihm sogar Recht.
Schröder blieb hart und sprach nur über die Kunst. Das Frauenbildnis von Ernesto Tatafiore hatte es dem Bundeskanzler besonders angetan. Der Künstler - er war anwesend- fühlte sich in seiner Arbeit mehr als bestätigt. Beim Rundgang durch den Kreuzstall war Gerhard Schröder fasziniert von der Ausstellung und lobte die Vielfalt von Schloss Gottorf. Auch der mit Bundeskanzler befreundete Künstler Uwe Bremer war anwesend. (Bild rechts: Uwe Bremer Zwillingsguillotine, 1979 Öl auf Leinwand) (Foto oben: Museumsdirektor Prof. Dr. Herwig Guratzsch, Carl Großhaus und Bundeskanzler Gerhard Schröder im Kreuzstall)


Die Ausstellung bildet den Auftakt eines auf zehn Jahre angelegten Leihverhältnisses zwischen der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf und dem Sammlerehepaar Carl und Eva Großhaus, die mit ihren Kindern Patrick und Maja der Eröffnung beiwohnten.
Da der Kreuzstall zu klein ist für die zahlreichen Gäste, wurden die Ansprachen von Ministerpräsidentin Heide Simonis und Bundeskanzler Gerhard Schröder in der Reithalle gehalten. „Mit einem Paukenschlag beginnt der Auftakt für die diesjährigen Ausstellungen auf Schloss Gottorf, genau das richtige zur 1200 Jahr-Feier der Stadt Schleswig’s“, so Heide Simonis während ihrer Ansprache.

Die im Norden Deutschlands bislang noch nicht im Zusammenhang gezeigten Positionen von den bekannten Künstlern Uwe Bremer, Anton Heyboer, Anselm Kiefer, Friedrich Meckseper, Antoni Tàpies, Ernesto Tatafiore, Cy Twombly und Wainar Vaccari erweitern den Blick auf die Kunst des 20. Jahrhunderts und ergänzen alternativ die reichen Bestände von Schloss Gottorf. (Bild rechts: Anton Heyboer: De juiste mens, 1967,
Farbradierung auf Ingrespapier )






Geöffnet ist die Ausstellung
(bis 31. März)

Dienstag bis Freitag von 10 bis 16Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 17 Uhr; Montags ist geschlossen.
Von April bis Oktober ist sie täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

(Bild oben: Wainer Vaccari;Ben tornato, 1990 Öl auf Leinwand)










(Bild links: Friedrich Meckseper
Nature morte, 1987
Acryl auf Leinwand)


Text/ Fotos: Kai Labrenz

 

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