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Als
Ruheständler hat er mehr Zeit als früher, sich im Mühleninneren
nützlich zu machen: „Ich habe gerade den handbetriebenen Sackaufzug
erneuert.“ Außerdem fertigte er unlängst ein neues Holzteil
für den Mahlgang an, weil das alte Versatzstück wurmstichig
geworden war. Dritte Neuerung: die passende „Abrundung“ eines
bislang eckigen Holztisches.
Die meisten der ehemals 1000 Mühlen
im nördlichsten Bundesland sind verschwunden. Gewandelt hat sich
auch das Geschehen in Munkbrarup: Gingen in der Blütezeit des „geflügelten“
Wirtschaftsbetriebes vor hundert Jahren an diesem Treffpunkt die Kornbauern
und die Kunden „kommunizierend“ ein und aus, so führt
heutzutage der Mühlenexperte Stüdtje nur technisch
interessierte Besuchergruppen durch das runde Gebäude treppauf, treppab,
während seine Tochter Christel Pagel kulturelle Begegnungen
mit Lesungen und Konzerten in besonderer Atmosphäre organisiert.
Die „Hoffnung“ mit ihrem Symbolwert ist neuerdings sogar zum
Standesamt erkoren worden: Die ersten sieben Trauungen
im „Oberstübchen“ sind 2003 ein ermutigender Anfang für
eine erweiterte Nutzung.
Der Hausherr erinnert sich noch
genau das Datum, an dem unwiderruflich der letzte Sack Getreide gemahlen
wurde: am 17. November 1945. Damals endete eine 77-jährige Ära.
Stüdtje erläutert: „Die Mühle hatte erst 23 Jahre
in Meierwik gestanden, ehe sie mein Urgroßvater 1868 nach Munkbrarup
holte.“ Das heißt: Seit vier Generationen befindet sich dieses
Bauwerk in Familienbesitz. „Ich kenne jeden Knoten beim Segelsetzen“,
beschreibt der gelernte Ingenieur sein inniges Verhältnis zur Windmühle.
Besonders dann, wenn die Windkraft die Flügel rotieren lässt,
empfindet er eine stille Freude.
Doch der Erhalt der Mühle
ist eine finanzielle Last. Von seinem Vater Johannes Stüdtje, einem
Pädagogen und Hobby-Chronisten, übernahm er „eine Ruine“.
Zwar gab es für die Außensanierung des technischen Denkmals
Ende der 70er Jahre staatliche Hilfen, aber seit über zwanzig Jahren
sprudelt eine solche Quelle nicht mehr. Eine ansehnliche Summe privaten
Geldes muss Frenz Stüdtje alljährlich aufwenden, um dem schleichenden
Verfall des Bauwerks Paroli zu bieten. Zugute kommt ihm sein handwerkliches
Geschick. Wie wird es weitergehen? „Ich suche jetzt nach einer tragfähigen
Lösung für die nächste Generation.“
Er,
über die deutschen Grenzen hinweg ein anerkannter Mühlen-Experte,
der früher auch als Sachverständiger zu Gerichtsverfahren hinzugezogen
wurde, hat grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn mitunter
in alte Mühlen „nur“ preisgünstige Kunststofffenster
eingesetzt werden. Sein Motto: „Stilbruch ist besser als
Abbruch.“ Diese Überzeugung hat Stüdtje stets
auf den Kongressen der TIMS, der Internationalen Mühlengesellschaft,
sowie als Vorstandsmitglied des Mühlenvereins Schleswig-Holstein
vertreten. Übrigens: Er gilt zudem als Initiator der Gründung
des Deutschen Mühlenvereins DMV. (rechts: Wassermühle
Schaalby im Modell)
Zu
Frenz Stüdtjes Biographie: Der einstige Flensburger Goetheschüler
musste gegen Kriegsende als 15-jähriger beim Volkssturm von Sterup
aus eine Panzerfaust zum Scheersberg tragen, seine „einzige Kriegshandlung“.
Er absolvierte danach eine Lehre als Elektromechaniker und avancierte
zum Nachrichten-Ingenieur. Kommunalpolitisch kann er auf vier Jahrzehnte
währende Tätigkeit zurückblicken, darunter auf acht Jahre
(bis 2002) als Bürgermeister von Munkbrarup und sechs Jahre als Mitglied
des Kreistages Schleswig-Flensburg, zeitweise in der Funktion des stellvertretenden
Kreispräsidenten. (rechts: ehemalige Wassermühle auf Gut Oestergaard,
jetzt Ferienhaus)
Wenn
Frenz Stüdtje nicht gerade in der Mühle wirkt, beschäftigt
er sich als Mitglied des Deutschen Grenzvereins und der deutschen Minderheit
in Nordschleswig mit historischen Fragen. Über Friedrich den Großen
hat er rund 50 Werke studiert. Er steht dem von ihm gegründeten örtlichen
Archivverein vor und plant mit zwanzig Gleichgesinnten die Fortschreibung
der dreibändigen Gemeindechronik von 1976, dem Werk seines Vaters.
Die Ur- und Frühgeschichte ist ein weiteres Steckenpferd des Munkbrarupers.
Mit seiner Frau spielt er am liebsten Bridge. „Früher bevorzugte
ich natürlich Mühle - da galt ich als unschlagbar...“
Das Ehepaar, dem drei Töchter und ein Sohn (34 – 44 Jahre alt)
entstammen, steuert er auf ihren meistens privat organisierten Reisen
quer durch Europa immer schöne Mühlen an. „Die gemeinsame
Mühlen-Herkunft öffnet leicht die fremden Türen.“
(Bild Oben: Mühle ANNA in Norby bei Rieseby, jetzt Museum).
H.J.
Köhler
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