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Ostsee von unten: Meeresbiologie auf der "Platessa" |
Eckernförde:
Auf einem Segler die Seele baumeln zu lassen, heißt
ja nicht untätig sein. Da haben Crew und Gäste alle Hände
voll zu tun. Alle müssen mit ran: Fender rein, Segel hissen, Kommandos
lernen, Deck wässern. Gruppendynamik hart am Wind. Seile, Knoten, Seemannsgarn
- Körper und Geist werden gefordert. Und um auch den letzteren
voll auszuschöpfen, setzt Käpt’n Ewald Huus noch
eins drauf. Einmal im Jahr im September heißt es „Leinen los“
zu einem meeresbiologischen Kurs auf dem Traditionssegler „Platessa
von Esbjerg“. Dann geht es auch darum, die Ostsee eine Etage
tiefer zu „erfahren“. Auf
der Zweimast-Gaffelketsch sind sie am Freitagabend eingetroffen: Gäste
von Bayernland bis Waterkant - aus Berufen, die selbst schon einen Ausflug
wert sind. Robert, der Werbetexter aus München, hat
den Wochenend-Törn von seiner Frau zum 40. Geburtstag geschenkt bekommen.
Werner aus Stuttgart wird als Fluglotse und Luftfahrt-Journalist
in diesen Tagen die Welt aus anderen Perspektiven erleben. Die Sonderschulpädagogin
Mascha will ausprobieren, ob so ein Segeltörn nicht das richtige
Erlebnis für die Abschlussfahrt ihrer 8. Klasse ist. Auch andere seien
nicht unerwähnt, die Vermessungsingenieurin Anne aus
Hessen, die ihr Kieler-Woche-Segelerlebnis auffrischen will -Marcel,
der Doktorand mit Forschungsschiff-Erfahrung, oder Karl,
der Realschul-Leiter a.D., der später auf eine grundlegende Frage keine
schlüssige Antwort bekommen wird. Geduzt
wird von Anfang an. Erlebnis steht vor Etikette. Nach den ersten Einweisungen
und Kojenwahl geht es auch gleich ans Thema. Kai vom Küstenforschungsbüro
CRM (Coastal Research & Management) hält einen
Vortrag über die Tier-, Fisch- und Pflanzenwelt auf dem Boden der Ostsee.
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Nach
der ersten Nacht auf schwankenden Planken wird am Sonnabendvormittag abgelegt.
Segel setzen in der Eckernförder Bucht bei Windstärke 5. Kreuzen,
um bei einem frischen Süd-Ost Kurs auf Kiel zu nehmen. Alle müssen
kräftig mit anpacken. Erst einmal draußen, kann es losgehen mit
der Unterwasserwelt. Die Mess-Sonden gleiten langsam über die Reling,
meterweise lässt Kai die Kabel ins Wasser sinken. Sie signalisieren
Tiefe, Temperatur und Salzgehalt. Alles wird sorgfältig notiert. „Die
Daten sind besser geworden.“, sagt der Meeresbiologe. „Letztes
Jahr war der Salzgehalt geringer.“ Eine
andere Gruppe von Freizeitforschern ist mit baggern beschäftigt. Mit
festem Griff schwenkt Verena den Backengreifer außenbords.
Er nimmt am Meeresboden die oberste Schicht auf. Sand und Kleinlebewesen
wandern anschließend unter die Dusche. Schlick, Verfärbungen
des Sandes und die Anzahl der Lebewesen lassen auf den Sauerstoffgehalt
am und im Boden der Ostsee schließen. Die Probeentnahmen werden an
unterschiedlichen Stellen wiederholt. Bootsmann Klaus lotet
die Untiefen aus. So nah wie möglich an die Sandbank heran. Käpt’n
Huus macht alles mit, 3 Meter unter’m Kiel ist mehr als ’ne
handbreit. Während die einen noch das Sieb rühren, werden die ersten Brote in der Kombüse gestrichen und Kaffee gekocht. Das machen die Gäste, denn die Crew ist mit Segeln beschäftigt. Freizeit-Bootsmann Ben holt den Klüver ein, gerade mal 13 Jahre alt turnt er angeseilt überm Netz. „Segler auf 12 Uhr!“, ruft er dem Käpt’n zu. Nun wird es langsam voller. Einfahrt in die Kieler Förde, die Schiffsautobahn ist eröffnet. Große und kleine Pötte, Gas-Tanker, Kreuzfahrer, Segler, Traditionsschiffe, Wassersportler, Jetskier, alles pflügt eng beieinander durch die Fördewellen. Die Hafendampfer der Kieler Verkehrsbetriebe spielen „Oh, ich hab Sie nicht gesehen!“ oder wie Ärger ich einen, der 50mal größer ist als ich. Die MS „Europa“ verschluckt sich fast an ihren Signalhörnern. Käpt’n Huus und die Platessa stimmen mit ein. "Da kann ich noch mithalten!", meint er. |
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Kurz
vor den alten Schleusen zum Nord-Ostsee-Kanal wird an diesem
frühen Abend am Tiessenkai angelegt. Im alten Leuchtturm von Holtenau
findet gerade eine Hochzeit ihren Höhepunkt. Da kommt der alte Zweimaster
zur rechten Zeit als stattlicher Hintergrund für Fotos über eine
Lebensentscheidung. |
Doch es sind meist die einfachen Fragen, deren Beantwortung erst die ganze Komplexität von Wirken und Werden aufzeigt. "Wie kam eigentlich das Salz ins Meer?", fragte Karl, der Hobby-Geologe aus Leidenschaft. Je mehr sich die Antworten vertieften, um so mehr entsprachen sie dem Wetter. Im Nebel und mit großer Vorsicht ging es am nächsten Tag "unter Motor" zurück nach Eckernförde. Text/ Fotos:
Bernd Steinke |
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