| Die
Kunst, Kunst zu schmieden! |
Eckernförde: „Ein Hauch von Welt“ zog
mit dem6. Schmiedetreffen des Internationalen Fachverbandes Gestaltender Schmiede e.V. in Eckernförde ein. Die Pfingsttage waren vom stetigen Hämmern der Schau-Schmiede und dem spirituellen Dialog mit der ausgestellten sakralen Schmiedekunst in der St. Nikolai Kirche geprägt. Bis zum 19. Juli trifft man in der Fußgängerzone Kieler Straße und an der Borbyer Uferpromenade auf die Schmiedekunst im Wind. Hochwertige Objekte und Skulpturen von 62 Metallgestaltern, Schmieden, Bildhauern und Architekten aus 9 Nationen bestimmen das Stadtbild, die St. Nikolai Kirche und das Rathaus. Der Internationale Fachverband der gestaltenden Schmiede e.V. will mit dem Klischee aufräumen, dass Schmieden eben nur "schwarz gedrehtes Eisen" ist. |
![]() |
|
| Werner
Zimmermann präsentierte einzigartige Netzkleider. Schlicht
und zugleich festlich gekleidet schmückten seine Modelle die Eröffnungsfeier.
Wo doch Schmiede im Ruf stehen, Keuschheitsgürtel in die Neuzeit gerettet
zu haben, zeigen seine Arbeiten faszinierende Transparenz und Leichtigkeit,
- eine einzigartige Eleganz des Körperschmucks, die kaum gegensätzlicher
zum Ambiente von Amboss und glühendem Eisen hätte stehen können.
|
![]() |
![]() |
![]() |
| Filigran
mit feinem Edelstahlseil umrankt, bekleidet mit einem Hauch von Tüll
und Seide, geschmückt mit einem floralen Ornament an Andeutungen
weiblicher Wehrhaftigkeit: |
|
Matthias
Ertlmeier und Kollegen schmiedeten in einer Stunde und vierzig Minuten
ihr Gastgeschenk fürs Touristikportal: ein Wikingerschiff!, entstanden
aus Feuer und Eisen, bajuvarischem Willen und Manneskraft: " Jo Mei,
-sind wir nicht alle ein bißchen 'Wikinger'? Das kam von Herzen
und wird dem WIKINGERLAND-Team mächtig Fahrt geben. |
|
|
![]() |
(li): Die Nase im Wind, gleich aus welcher Richtung er weht: „Stehle aus Stahl“ von Antoni Krukowski – und Kind mit (Dick-?) Kopf o.N. | ![]() |
|
(re): “Menschen im Wind“ von Hans
Leo Ervenich, Vierkanteisen, aufgefächert in 10 Stück
Flachmaterial, mit Punzen getrieben – und Charakterkopf: einmalig
und standfest. |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Ein
Besuch der Eckernförder St. Nikolai Kirche ist ein
touristisches Muss. Das gilt in diesen Tagen umso mehr, denn der Kirchenraum
bietet den Ausstellungsrahmen für Schmiedearbeiten zum eigenständigen
Thema „Sakrale Kunst“. Kennen Sie
bereits den ästhetischen Reiz von Scheibenbremsen? Zu einem
mannshohen Osterleuchter (oben Mitte) verarbeitet hat sich ihr Wesen verändert
und ihre weltliche Aufgabe erfüllt. Ausgebremst zum Innehalten ist
auch der Betrachter angekommen... Verwunderung und Gedankenstille. Aus
der Funktion genommen und in einen neuen Zusammenhang gestellt, das ist
(Schmiede-)Kunst. Eine Kerze weist jetzt den Weg. |
![]() |
![]() |
|
Ein
weiteres Stück zu wahrer Größe gewinnt auch der Kunstfreund,
wenn er es vermag, das lieblose Zusammenschieben und Präsentieren
der zahlreichen kleineren Objekte im Eingangsbereich des Rathauses zu
entschuldigen. Eng bei eng stehen hier Arbeiten und erwecken den Eindruck,
als wären sie zum Aufbruch angetrieben oder gar nicht im kunstsinnigen
Eckernförde angekommen. Wohl unbeabsichtigt zeigt sich dadurch um
so deutlicher die Funktion des Ausstellungsortes. Kunst braucht Raum,
um zu wirken. Hier wird Kunst als Verwaltungsakt in Gebrauch gesetzt und
der Besucher darf am Stilleben eines Archivs teilnehmen. |
|
Dennoch:
was Sie in diesen Tagen in Eckernförde sehen können, zeigt einen
umfangreichen Querschnitt des facettenreichen Schaffens gestaltender
Schmiede. Und für den Laien ganz unvermutet zeigen die ausgestellten
Arbeiten die internationalen Beziehungen, die die Handwerker untereinander
geknüpft haben. Russland, Norwegen, Schweden,Belgien, Holland, Frankreich,
Österreich, Israel, Japan und Bayern heißen die Heimatländer
der starken Männer und Frauen. Schon beim Schau-Schmieden wurde dem
Zuschauer klar, dass die „alle irgendwie was miteinander haben müssen.“
Das Arbeiten mit Eisen und Feuer schweißt zusammen. Über die
reine Arbeitsaufgabe hinausgehend verschafft das gestalterische Werken
eine Verbundenheit mit dem Kollegen, welche Kraft und Motivation gibt,
die ganzen Strapazen einer schwergewichtigen Ausstellung auf eigene
Kosten auf sich zu nehmen. Im Herbst dieses Jahres werden sie
sich noch einmal in Tschechien treffen. 2000 Schmiede wollen dort für
eine Woche auf der Burg Helfstyn ihre Profession leben. |
![]() |
![]() |
|
Kein anderer Handwerksberuf pflegt
internationalen Zusammenhalt und Freundschaften wie die 'Gestaltenden
Schmiede'. Auf jährlichen Schmiedetreffen in aller Herren Länder
findet der konstruktive und kritische Austausch untereinander statt. So
trifft man sich z.B. seit 21 Jahren auf Burg Helfstyn in der Tschechei.
Schmieden im Wettbewerb und Auszeichnungen hochkarätiger Jurys führen
zu Steigerung der Qualität und Kreativität der Mitglieder des
Fachverbandes. |
![]() |
![]() |
| Die
Aktionstage fanden ihren Abschluß mit einer Qualitätsprüfung
des Publikums. Es galt die pekuniäre Einstellung der Eckernförder
und ihrer Gäste zu kunsthandwerklichen Erzeugnissen auszutesten.
Von fast allen Dingen wissen wir den Preis, aber immer weniger wissen
wir vom Wert der Dinge. Künstlerischer Gebrauchswert entfernt sich
immer weiter von seinem Tauschwert. Ohne weiter die Haug’sche Kritik
der Warenästhetik verfolgen zu wollen, festzuhalten bleibt: |
![]() |
Bei der Schlussversteigerung gelang es Verleger Peter Elgaß (o.li)als Moderator souverän diese Distanz zu verringern. Sprachlich immer bemüht den Charme des Allgäu ins Hochdeutsche zu übersetzen, entlockte er mit seiner fröhlichen Art | ![]() |
|
so manchem „drögen Nordlicht“ ein Lachen und seine Euros.
Dennoch ging ein Teil der Objekte „wie so oft unter die Schmiede
statt unter die Leute“. Der verbandsinterne Zuschlag ist ein besonderes
Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit des Kollegen wie auch
ein Beitrag zur Nachwuchsförderung. Alle Objekte, die an den drei
Tagen des Schauschmiedens entstanden waren, wechselten bei der Auktion
ihre Besitzer. Den Erlös stifteten die Schmiede der Berufsfachschulklasse
des Schmiedehandwerks: 890,- Euro bleiben damit als Fördermittel
in der „Familie“. |
![]() IFGS Präsident Peters(li): "Macht was draus!" 890,-€ für die Eckernförder Berufsschulklasse. |
![]() Oliver Bläse(re): Sein erster selbstgeschmiedeter Knoten ging für 10,-€ an einen (väterlichen) Freund. |
| Das
Hämmern der Schmiede fand seine gelungene Einführung und Fortsetzung
durch die flinken jugendlichen Hände der Flensburger "Marimba
Steelband". Die lateinamerikanischen Rythmen der Kiddies von der
Schlagzeugschule Schreiber ernteten viel begeisterten Beifall während
der Eröffnungsfeier zu "Schmiede im Wind" wie
auch im Anschluss in der Fußgängerzone Eckernfördes. "Die
können ja echt was!", so der einhellige Kommentar des Publikums. |
![]() |
|
|
"Die Mischung von Handwerk
und Kunst ist auch der zentrale Begriff unserer Musikschule.", sagte
Leiter Holger Schreiber. Ja, Können kann man lernen! Das gilt auch
schon für die ganz jungen, z.B. hier: www.trommelkids.de |
| Organisiert,
geplant uns ausgerichtet hat dieses Treffen der Eckernförder Heiner
Marten mit Unterstützung seiner Frau Britta. Seit vielen Jahren unterrichtet
Heiner Marten an der hiesigen Berufsschule Metallgestaltung.
Ein besonderes Bedürfnis war für ihn die Ausrichtung der Ausstellung
sakraler Kunst in der St. Nikolai Kirche, zu der er selbst drei Objekte
beisteuerte. |
|
|
|
| Tatkräftige Familie Marten aus Eckernförde: über zwei Jahre bereitete Heiner Marten das Treffen der Schmiede vor. Zum Schluß mussten alle mit ran. |
| Links
zum Thema: Internationaler Fachverband Gestaltender Schmiede e.V. Internationale Zeitschrift für Metallgestalter „Hephaistos“ Homepage von Burg Helfstyn und Hefaiston mit Bildergalerien |
| Zurück zur Aktuell-Seite |
| Home |